Du bist Politik

Mit Politik hast du nichts am Hut? Dafür sind doch die Parteien und Politiker zuständig? Ja, Parteien machen Politik, das steht ja auch im Grundgesetz, Artikel 21: „Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit.“ Doch das ist nur ein Teil von Politik. Du hast Einfluss auf Entscheidungen von Politikern? Du gehst Wählen, schön, aber dabei muss es nicht bleiben. Denn du hast mehr Einfluss als du glaubst! Ob du dich für die Umwelt engagierst, gegen Rechtsextremismus einsetzt oder für eine internationale, multikulturelle Verständigung eintrittst: Du nimmst damit aktiv an der politischen Meinungsbildung innerhalb der Gesellschaft teil.

Politik macht Spaß.

Auf der Meile der Demokratie 2012Gerade außerhalb des Parlaments kannst du aktiv auf Themen aufmerksam machen, die eine Diskussion in der Gesellschaft anstoßen können. Diese Themen werden dann von den Parteien aufgegriffen und oftmals Gegenstand politischer Auseinandersetzungen im Parlament. Nicht selten entstehen daraus Gesetze oder es schaffen neue Parteien den Einzug in den Bundestag. Umweltpolitik, die Gleichstellung von Mann und Frau, Toleranz gegenüber anderen Nationen, Völkern oder Religionen sowie die Integration von Menschen mit Behinderung sind mittlerweile selbstverständlich ein Teil der deutschen Gesetzgebung und allgemein gesellschaftlicher Konsens. Doch erst wenn sich die Bürgerinnen und Bürger in die Politik einbringen, können Veränderungen herbeigeführt werden. Dann wird Politik dynamisch, um mit der politischen Theoretikerin Hannah Arendt zu sprechen.

Engagement

Eine Gruppe am Tisch diskutiert mit Flipchart-PapierDer ehemalige US-Präsident Barack Obama stellte fest: „Wahlen allein machen noch keine Demokratie.“ Es sind die aktiven Bürger, die eine demokratische Gesellschaft lebendig halten. Freiwillige und ehrenamtliche Tätigkeiten sind für den sozialen Zusammenhalt unverzichtbar. Im Austausch mit anderen entsteht der Diskussionsraum, der eine demokratische Gesellschaft ausmacht. Und in welcher Form du dich auch engagierst: Du besuchst damit fortwährend die Schulen der Demokratie. Du gehörst dazu, bringst dich ein, beziehst Position und entfaltest damit deine ganz eigene Wirkung. Du lernst in Vereinen, Stiftungen, gemeinnützigen Einrichtungen, Nichtregierungsorganisationen und Freiwilligenagenturen Toleranz zu üben, Verantwortung zu übernehmen und Vertrauen zu anderen aufzubauen. Und natürlich schaust du auch über den Tellerrand hinaus und sammelst über verschiedene Wege vielfältige und wichtige Erfahrungen. Auch durch dein freiwilliges Engagement in der Welt erbringst du wie viele andere wichtige Leistungen, die zur demokratischen Qualität einer Gesellschaft im In- und Ausland beitragen. Du verstärkst damit die interkulturelle Verständigung und festigst die internationale Zusammenarbeit. Vielleicht ohne es zu merken bereitest du der Gesellschaft damit einen Mehrwert.

Zivilgesellschaft

Naumburger UmweltladenDie Zivilgesellschaft ist ein besonderer Raum für den öffentlichen Austausch, den es zu bewahren und mit Inhalten zu füllen gilt. Denn die deutsche Vergangenheit und viele andere Beispiele in der Welt zeigen, dass das nicht selbstverständlich sein muss. Hannah Arendt hat daher aus ihren eigenen Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus heraus eine strikte Trennung von Staat und Öffentlichkeit gefordert. Denn sie hat direkt miterlebt, wie Gewalt und Terror der Nationalsozialisten die individuelle Freiheit einschränken. Daher ist sie kurz nach der nationalsozialistischen Machtergreifung in die USA emigriert. Für sie ist Freiheit der Sinn von Politik und die Politik die wichtigste Form des engagierten Aktivbürgers. Daher setzte sie sich ganz besonders für die Freiheit des Handelns und des Denkens ein, denn dadurch entsteht eine öffentliche Diskussion und nur so kann sich jeder selbst verwirklichen.

Daran hat jeder seinen Anteil und das bringt eine Gesellschaft voran. Denn jedes Engagement ist der Beginn etwas Neuem. Und Politik macht dann sogar Spaß. Oder wie Hannah Arendt es sagte: „Acting is fun.“